ALS LAIE GEFANGEN IN DEN FÄNGEN DER INKASSOUNTERNEHMEN

06 Nov
6. November 2016

Zahlreiche Inkassodienstleister spielen mit der Furcht der Verbraucher und setzen verstärkt auf Drohungen mit Mahnbescheid, Gerichtsvollzieher, Pfändung und Schufa-Eintrag. Als Laie ist man oft hilflos in den Fängen der Inkassounternhemen. Wie Sie sich wehren.

Ich beobachte es in meinem Kanzleialltag immer häufiger, dass gerade größere Unternehmen ihre offenen Forderungen vorschnell an Inkassounternehmen abgeben. Diese setzen dann sofort auf das Spiel mit der und drohen einen gerichtlichen Mahnbescheid, einen Schufa-Negativeintrag oder eine Gehaltspfändung an. Das muss der vermeintliche Schuldner nicht hinnehmen, denn die Gegenwehr ist oftmals sehr einfach.

Selbst wenn der Kunde einer fehlerhaften Rechnung gut begründet widersprochen hat, wird von Seiten des Unternehmens auf das Schreiben überhaupt nicht mehr eingegangen. Bei den meisten Firmen setzt hier der Rotstift an, Personal für die Sachbearbeitung von Kundenanliegen spart man ein, stattdessen wird auf externe Inkassodienstleister gesetzt.

Ohne den Widerspruch zu überprüfen, muss der Kunde Mahnungen über sich ergehen lassen, bis er schließlich die Zahlungsaufforderung eines Inkassobüros in Händen hält.

Handel mit unbezahlten Forderungen

Nun sollte man meinen, dass wenigstens jetzt eine ordentliche Überprüfung der bestrittenen Rechnung vorgenommen wird. Weit gefehlt, der Inkassodienstleister will nur eines: das Geld des vermeintlichen Schuldners. Das liegt daran, dass die meisten Inkassounternehmen die Forderung aufgekauft haben. Eingezahltes Geld fließt nun nicht mehr an die früher zuständige Firma, sondern nur noch an das Inkassobüro. Verständlich, dass dieses einen Gewinn erwirtschaften möchte und mit allen Mitteln zur Zahlung auffordert.

Eine besonders unseriöse Weise stellt hierbei die Androhung mit einem gerichtlichen Verfahren dar. Dem Kunden soll glaubhaft gemacht werden, dass er bei Nichtzahlung sofort vor Gericht gestellt wird. Im Regelfall meint der Inkassodienstleister damit aber nur den gerichtlichen Mahnbescheid. Das ist ein standardisiertes Verfahren, bei dem der Schuldner eine offizielle Mahnung eines Amtsgerichts erhält.

Furcht vor dem Gerichtsvollzieher

Der Angeschriebene bekommt es sofort mit der Angst zu tun, denn er muss vermuten, dass nun ein Gericht eingeschaltet wurde. Dass dem nicht so ist, kann er als juristischer Laie nicht immer sofort erkennen. Denn ein Mahnbescheid stellt letztendlich nur ein automatisiertes Verfahren dar: Der Gläubiger übermittelt dem Gericht die Daten der Forderung und des Schuldners. Anschließend bezahlt er einen geringen Geldbetrag an das Amtsgericht, und dieses verschickt dann den Mahnbescheid. Das Ziel ist es, den Schuldner in eine Schockstarre zu versetzen, aus der heraus er die Zahlung, ohne groß nachzudenken, vornimmt.

Im Zusammenhang mit der Androhung des gerichtlichen Verfahrens verweisen viele Inkassodienstleister sofort auf weitere negative Konsequenzen. Sie stellen einen in Schufa-Negativeintragung in Aussicht, kündigen eine Strafanzeige wegen angeblichen Betrugs an und wollen sofort den Gerichtsvollzieher losschicken, um eine Vollstreckung durchführen zu lassen. All das ist haltlos, wenn der Forderung widersprochen wurde und kein gerichtliches Urteil oder ein Vollstreckungstitel vorliegt.

Begründung des Widerspruchs

Teilen Sie dem Inkassobüro bei ungerechtfertigten Mahnungen zunächst unbedingt mit, dass Sie die Forderung nicht zahlen werden, und begründen Ihren Widerspruch ausführlich.

Oftmals erhält das Inkassounternehmen gar keine Information von der früher zuständigen Firma, dass die Forderung vom Kunden bestritten wurde. Handelt es sich um einen seriösen Dienstleister, so sollte er spätestens jetzt Rücksprache mit seinem Auftraggeber halten und überprüfen lassen, ob der Widerspruch des Kunden gerechtfertigt ist.

Liegt Ihnen trotz des Widerspruchs plötzlich ein gerichtlicher Mahnbescheid vor, so verzweifeln Sie nicht. Das Ganze ist harmlos, denn mit dem beigefügten rosa Formular kann dem Mahnbescheid schnell und effektiv widersprochen werden. Setzen Sie einfach ein Kreuzchen bei der Stelle „Ich widerspreche dem Anspruch insgesamt“, unterschreiben Sie unten rechts und setzen unten links Ihren Namen und Adresse ein.

Wichtig ist, dass der Widerspruch zum Mahnbescheid innerhalb von zwei Wochen bei dem Amtsgericht eingeht, das den Mahnbescheid verschickt hat. Insofern empfehle ich eine Versendung vorab per Fax und anschließend per Einschreiben. Mit diesem Widerspruch ist der Mahnbescheid aus der Welt

Außergerichtliche gütliche Einigung

Erforderlich ist, dass Sie einen vollständigen Widerspruch gegen die Forderungen im Mahnbescheid einlegen, nicht lediglich einen Teilwiderspruch. Manche Schuldner machen diesen Fehler, wenn die Forderung tatsächlich teilweise berechtigt ist.

Traurige Konsequenz ist, dass das Inkassobüro dann über den nicht widersprochenen Anteil einen vollstreckbaren Titel in Händen hält, und über dessen Betrag auch noch einen Schufa-Negativeintrag veranlasst. Es ist daher von größter Wichtigkeit, immer einen vollumfänglichen Widerspruchs zu setzen. Ist die Forderung teilweise berechtigt, so kann nach erfolgtem Widerspruch noch immer eine außergerichtliche gütliche Einigung mit dem Inkassounternehmen gefunden werden.

Beachten Sie im Hinblick auf Inkassounternehmen auch den aufschlussreichen Blogbeitrag auf www.finanzsanierung.ch, der explizit Stellung nimmt zu der Arbeitsweise von Inkassounternehmen in der Schweiz:

INKASSOUNTERNEHMEN – DIE MASCHINERIE RUND UM DIE GEBÜHRENEINTREIBER